Montag, 28. Februar 2011

Der Plagiator


... ist nicht zu verwechseln mit dem Terminator ...
 

… auch wenn es seine Truppen sind, die in Afghanistan kämpfen.

Verteidigungsminister Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester (10 Vornamen!) Freiherr von und zu Guttenberg hat angeblich seine Doktorarbeit aus anderen wissenschaftlichen Werken abgeschrieben.


Seine Doktorarbeit wurde in Buchform veröffentlich. Darin fanden jetzt mehrere Gelehrte etliche Textstellen, die aus anderen wissenschaftlichen Publikationen stammten, ohne dass sie als Zitat erkennbar waren oder mit einer Fußnote als Quellenangabe belegt waren. Offensichtlich sind diese Textstellen mit der Copy&Paste-Funktion in die Doktorarbeit eingefügt worden. Insbesondere zahlreiche Passagen der Professorin Zehnpfennig waren wörtlich übernommen worden.

Wer sich mit wissenschaftlichen Arbeiten und mit dem Erwerb akademischer Titel auskennt, der fragt sich, was hier gelaufen sein muss. Eine Doktorarbeit, auch Dissertation genannt, ist eine wissenschaftliche Forschungsarbeit, die eigenständig erbracht sein muss und von einem Doktorvater kontrollierend und beaufsichtigend begleitet wird. Wenn die Arbeit fertiggestellt ist, wird sie durch die Fakultät bzw. durch eine von ihr eingesetzte Prüfungskommission begutachtet und bewertet. Im Anschluss daran erfolg eine mündliche Prüfung, Rigorosum genannt, welche vor allem das Thema der Dissertation zum Gegenstand hat. Dies findet ebenfalls vor einer Prüfungskommission statt. Danach folgt eine Gesamtbewertung der Leistung, also die Entscheidung über die Vergabe des Doktortitels.

Die Frage ist also: Warum ist es bei diesem Verfahren niemandem aufgefallen, dass Guttenberg hier eine Mogelpackung abgeliefert hat? Entweder haben der Doktorvater und die Prüfungskommission dieses „Werk“ überhaupt nicht richtig gelesen, oder – was schlimmer wäre – sie haben es als Plagiat stillschweigend in Kauf genommen. Schließlich ist Guttenberg ja nicht irgendwer. Er hat einen Namen, viel Geld und viele Beziehungen. Insofern ist der aufkommende Verdacht eines „social networking“, wenn nicht sogar einer „Amigo-Affaire“, nicht so ganz abwegig. Vielleicht hat Guttenberg ja auch überhaupt nichts selbst geschrieben, sondern die Arbeit einem Ghost-Writer überlassen (und der hat es sich einfach gemacht und das meiste abgeschrieben). Aber das sind letztlich alles nur Vermutungen, die nicht belegbar sind; daher lassen wir das.
Bemerkenswert ist nur, dass der Doktorvater kurz nach Aufkommen der Plagiats-Vorwürfe einfach abgetaucht ist und sich auch jetzt nicht zur Sache äußern möchte. Das ist zwar sein gutes Recht, aber man fragt sich dennoch, was er zu verbergen hat.
Anfangs hat Guttenberg sich noch gegen den Vorwurf, seine Doktorarbeit sei ein Plagiat, hartnäckig verteidigt. Doch dann wurden immer mehr Textstellen gefunden, die aus anderen Werken stammten, so dass er irgendwann nicht mehr leugnen konnte.


Die „normalen“ Doktoranden hingegen müssen im Durchschnitt zwei Jahre an ihrer Dissertation arbeiten und sich durch Rigorosum und Prüfungskommission quälen. Ihnen gegenüber ist das, was hier gelaufen ist, einfach nicht fair.

Die Universität Bayreuth erkannte ihm schließlich am 23.02.2011 den Doktortitel ab.

Kanzlerin Merkel nimmt Guttenberg bis jetzt noch vehement in Schutz. Es ist aber schon zu viel ans Licht gekommen, als dass man diese Sache noch aussitzen könnte. Die Frage ist: Ist ein Mensch, der ganz offensichtlich zu Lügen und Manipulationen fähig ist, als Minister noch tragbar? Darüber wird nun überall heftigst diskutiert.

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Nachtrag 01.03.2011:

Guttenberg ist als Verteidigungsminister zurückgetreten.

Na dann Prost!

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Nachtrag 31.05.2011:

Guttenberg war erst der Anfang. Offensichtlich hat der Fall Guttenberg eine Lawine ausgelöst, denn jetzt hat eine akribische Jagd auf Plagiatoren begonnen. 
In der Folgezeit wurden nämlich entdeckt, dass auch noch andere Personen ihre Doktorarbeit getürkt hatten, zum Beispiel Silvana Koch-Mehrin, Veronica Saß und „Schatzi“ Markakis.

Hach ja ..... können wir nicht alle stolz darauf sein, solche vorbildlichen und garantiert ehrlichen Politiker zu haben?

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