Sonntag, 21. Oktober 2012

Kachelmann bei Jauch

Am Sonntag, dem 14. Oktober 2012 war Jörg Kachelmann mit seiner Frau Miriam in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“ eingeladen. Das Thema der Sendung war das von Kachelmann geschriebene und aktuell veröffentlichte Buch „Recht und Gerechtigkeit“, in welchem er über seinen Prozess berichtet, über seine Erlebnisse und Erfahrungen, über die deutsche Justiz und das Thema Falschbeschuldigungen. Denn Jörg Kachelmann ist ganz eindeutig ein Opfer. Ein Opfer der Justiz, der Medien und einer eifersüchtigen Geliebten, die sich rächen wollte. Was man diesem Justizopfer und seiner Frau jedoch in der Sendung zumutete, war einfach unmöglich – und Grund genug für mich, hier ein paar Worte darüber zu verlieren.

Günther Jauch mit Miriam und Jörg Kachelmann.

Die Gäste, mit denen Kachelmann und seine Frau in der Sendung konfrontiert wurden, waren der ehemalige Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer, der ehemalige Innenminister Gerhart Baum und der frühere Chefredakteur der BILD-Zeitung, Hans-Hermann Tiedje. Leider stellte sich heraus, dass diese drei Herren überhaupt kein Problembewusstsein hatten und dass Falschbeschuldigungen und Fehlleistungen in der Justiz ihnen fast nicht bekannt sind. Sie waren mit diesem Thema überfordert und konnten nichts dazu beisteuern. Zumindest waren Hassemer und Baum der Meinung, dass Kachelmann Unrecht geschehen ist; Hassemer fordert sogar eine Staatshaftung in solchen Fällen. Während Hassemer und Baum aber durchweg auf der sachlichen Ebene blieben, fiel Hans-Hermann Tiedje, der offenbar nichts Sachliches vorbringen konnte, die ganze Sendung hindurch nur durch Pöbeleien, Unterstellungen, Lügen und Unverschämtheiten auf. Günther Jauch ging nicht dazwischen, obwohl er dies als Moderator hätte tun müssen. Aber gegen so eine primitive Großschnauze wie Tiedje kommt ein so ruhiger und smarter Moderator wie Jauch natürlich nicht an – was ihm wahrscheinlich auch selbst klar war.

Artikel zu dieser Sendung:

http://www.derwesten.de/panorama/leute/hitzige-kachelmann-debatte-bei-jauch-id7194897.html

http://web.de/magazine/tv/shows/16431126-jauch-vergeigt-kachelmann-talk.html

http://www.spiegel.de/kultur/tv/joerg-und-miriam-kachelmann-bei-guenther-jauch-a-861271.html

http://www.readers-edition.de/2012/10/15/jorg-kachelmann-bei-gunther-jauch/

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/faz-net-fernsehkritik-guenther-jauch-die-kachelmann-falle-11926274.html

Die ganze Sendung war eine einzige Farce, eine Schande für die ARD, eine Zumutung für ein Justizopfer und für jeden halbwegs noch gerecht denkenden und fühlenden Menschen. Wie kann es angehen, dass ein Justizopfer sich im Fernsehen beleidigen und beschimpfen lassen muss? Ja, sogar verleumden, denn Tiedje bestand darauf, dass Kachelmann weiterhin als potentieller Vergewaltiger zu gelten hat, dass also „etwas hängen bleiben“ soll. Dass ein Mensch jedoch nach einem rechtskräftigen Freispruch als unschuldig zu gelten hat (und auch unschuldig ist!), das scheint bei Leuten wie Gevatter Tiedje noch nicht angekommen zu sein. Tiedje tat in der Sendung nicht anderes als das, was die Medien – besonders die Boulevardblätter – schon während des ganzen Prozesses getan hatten, nämlich Kachelmann mit Dreck zu bewerfen.

Gevatter Hans-Hermann Tiedje
- nur irgendein Boulevardfuzzi.

Der Gipfel von Tiedjes Unverschämtheiten war zweifellos der Satz: „Sie stilisieren sich als Opferanwalt, sie sind aber keine historische Figur, sie sind nur der Kachelmann, irgendein Wetterfuzzi.
Soso, Kachelmann ist also nur irgendein Wetterfuzzi, aha. Nun ja, ich finde, wer austeilt, sollte auch einstecken können. Deshalb erlaube ich mir hier, einmal zu sagen, was Tiedje ist: Er ist nur irgendein Medienfuzzi; ein schmieriger Boulevardjournalist, der nichts anderes kann, als mit Dreck zu werfen, der eine große Klappe hat, hinter der aber nichts steckt. Interessantes über Tiedje findet sich aber hier.

Jörg Kachelmann und seine Frau saßen in der Sendung wie auf der Anklagebank und mussten sich pausenlos rechtfertigen, und zwar nicht nur für die Dinge, die sie in ihrem Buch behauptet hatten, sondern sogar für Dinge, die sie nicht behauptet hatten. Wie kann so etwas angehen? Kachelmann blieb ruhig und gab irgendwann auf, sich mit Gevatter Tiedje weiter herumzuschlagen; wahrscheinlich wollte er sich nicht auf Tiedjes Niveau herabbegeben und hatte eingesehen, dass eine Auseinandersetzung mit so einem Typen nichts bringt. Miriam Kachelmann aber warf sich für ihren Mann in die Bresche und scheute keine Konfrontation. Sie bot diesen „Herren“ Paroli und brachte viele sehr gute Argumente hervor. Diese Frau hat die Dinge durchschaut und nennt sie beim Namen. Sie hat das Herz am rechten Fleck. Sie verdient Respekt.

Tiedje besitzt offensichtlich keine Kinderstube und nicht die minimalste Form von Anstand, was man zum Beispiel daran sehen konnte, dass er (und teilweise auch Baum!) Jörg Kachelmann und seiner Frau ständig ins Wort fiel und sie unterbrach. Menschen ausreden zu lassen, ist eine einfache Höflichkeitsregel, die man schon als Kind beigebracht bekommt. Aber für gewisse „Herren“ scheint sie offenbar nicht zu gelten.

Dann warf Tiedje Kachelmann an anderer Stelle vor, er habe in seinem Buch einen „rotzlöffelhaften“ Ton angeschlagen. Welch eine Impertinenz! Erstens hat Kachelmann nach allem, was ihm angetan wurde, wirklich gute Gründe für einen solchen Ton (manche Dinge müssen einfach schonungslos angeprangert werden!). Und zweitens: Wer in der Sendung einen „rotzlöffelhaften“ Ton angeschlagen hat, haben wir ja alle mehr als deutlich gesehen.

Gerhart Baum fiel in der Sendung dadurch auf, dass er versuchte, die Problematik der Falschbeschuldigungen zu leugnen und kleinzureden. Dazu erklärte er, der ehemalige Bundesinnenminister:
- Jede siebte Frau wird einmal in ihrem Leben vergewaltigt. 
- Nur ein kleiner Anteil der Vergewaltigungen wird angezeigt. 
- Frauen leiden auch besonders unter häuslicher Gewalt. 
- Nur Frauen würden vergewaltigt. 
- Nur ein ganz kleiner Teil der Anzeigen wegen Vergewaltigungen wären Falschanzeigen.

Derartige Aussagen sind Lügen, und zwar feministische Propaganda-Lügen. Es würde mich wirklich mal interessieren, wie Herr Baum zu solchen Aussagen kommt, und ob er sie irgendwie belegen kann (natürlich nicht!). Aber da zeigt sich eben der politische Opportunist. Es ist ja bekannt, dass der Hang zu Lügen die Grundvoraussetzung für eine exzellente Politikerkarriere ist. Fest steht aber nur eines: Wenn weiterhin eine derartige feministische Propaganda in Deutschland verbreitet wird, dann werden Falschbeschuldigerinnen weiterhin Erfolg haben und unschuldige Männer werden verurteilt.

Erschüttert war ich auch über das Verhalten des Studiopublikums, welches Tiedje und Baum oft Applaus bescherte. Da habe ich mir vor Entsetzen an den Kopf fassen und mich fragen müssen, wie dumm die Leute eigentlich sein können. Oder befindet sich im Studio irgendwo eine Tafel, die den Leuten anzeigt, wann sie klatschen müssen? Das ist möglich, dann wäre das ein gesteuerter Applaus. Oder die Leute sind wirklich zu dumm. Sie klatschen dann, wenn jemand besonders schlagfertig und redegewandt ist, wenn jemand eine besonders prägnante und kräftige Aussage macht. Auf den Inhalt des Gesagten kommt es dabei offensichtlich nicht an. Ja, so ist das beim Pöbel.

Von Günther Jauch bin ich sehr enttäuscht. Er war mit der ganzen Thematik der Sendung hoffnungslos überfordert und hat die Beleidigungen und Beschimpfungen gegen Kachelmann zugelassen. Der Gipfel aber war, dass er Miriam Kachelmann ernsthaft fragte, ob sie sich angesichts der Tatsache, dass er neben ihr noch andere Frauen hatte, nicht gedacht hätte: „Wenn der mich schon so belogen hat, dann wird er möglicherweise auch eine Vergewaltigung leugnen.“ Das war einfach unfassbar! Damit stellte sich Jauch auf eine Stufe mit dem Gericht und dem Pöbel, wo die verquere Logik zu herrschen scheint, dass ein Mann, der Frauen betrügt, auch Frauen vergewaltigt. Hallo – geht es noch, Herr Jauch?

Das einzig Richtige, das Günther Jauch am Ende von sich gab, war, dass alle aus dieser Sendung reichlich unbefriedigt hinausgehen. Ich habe zu den Figuren in dieser Sendung nur noch folgendes zu sagen:

Günther Jauch: Sie haben leider gezeigt, dass Sie den Themen in einer solchen Talkshow doch recht ahnungslos, unsicher und hilflos gegenüberstehen. Offensichtlich ist eine solche Talkshow nicht das Richtige für Sie. Also lassen Sie es lieber und bleiben Sie bei „Wer wird Millionär?“. Das steht Ihnen besser.

Gerhart Baum: Hören Sie auf, solche Aussagen wie die oben genannten zu verbreiten. Sie machen sich damit nur zum Handlanger des Feminismus, zum lila Pudel einer gewissen Frau Schwarzer. Wollen Sie das?

Hans-Hermann Tiedje: Es fällt schwer, meine Meinung, die ich nach dieser Sendung von Ihnen habe, in angemessene Worte zu kleiden, ohne mich auf Ihr Niveau herabzubegeben und die Grenze zur Formalbeleidigung zu überschreiten. Deshalb lasse ich das und sage nur eines: Ich wünsche keinem Menschen etwas Schlechtes, aber Ihnen wünsche ich, dass Sie auch mal Opfer einer Falschbeschuldigung werden, monatelang in Untersuchungshaft und vor Gericht sitzen und von den Medien nach allen Regeln der Kunst durch den Dreck gezogen werden. Vielleicht sehen Sie dann manches anders.
Ansonsten kann ich Ihnen nur den Ratschlag mit auf den Weg geben: Wer keine Ahnung hat, sollte einfach mal die Fresse halten!

Jörg und Miriam Kachelmann: Lassen Sie sich nicht unterkriegen! Kämpfen Sie weiter! Das Thema Falschbeschuldigungen und Justizunrecht darf nicht länger tabuisiert werden. Es muss weiterhin der Öffentlichkeit vor Augen geführt werden. Meine – zumindest geistige und moralische – Unterstützung haben Sie! Ich werde im Rahmen meiner Möglichkeiten weiterhin gegen die Unrechtsjustiz in diesem Lande kämpfen, insbesondere gegen die „drei F´s“:
Feminismus, Falschbeschuldigungen, Fehlurteile.

*****

Ach ja, und das Buch kaufe ich mir auch bald:


*****

Kommentare:

Biene Maja hat gesagt…

Volle Zustimmung! Danke für die Zusammenfassung. Ah ja, und das Buch habe ich auch gekauft und gelesen.

emz hat gesagt…

Die Geschichte Kachelmann geht weiter.
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kachelmann-fordert-schadensersatz-von-seiner-ex-geliebten-a-864460.html
Interessant hierbei, Ehefrau Miriam blieb der Verhandlung fern.

Und dann solltest du unbedingt den Solarkritiker darauf hinweisen, dass die Tatsache, dass Kachelmann den vollen Namen seiner Ex-Geliebten nennen darf, ihn, den Solarkritiker, nicht dazu berechtigt, ein Bild von RA Schmidt einzustellen. Der Mann reitet sich immer mehr rein, muss doch nicht sein.

Wobei sich die Frage auftut, hören wir überhaupt noch einmal etwas von ihm? Heute ist schließlich der Tag der Räumung. Ich hoffe jedenfalls, dass du ihn nicht nur auf deiner Seite als Zugpferd für mehr Leser herausgestellt hast, sondern ihm jetzt auch etwas zur Seite stehst, an diesem schweren Tag und dem gerecht wirst, was du über dich als Gutmenschen geschrieben hast.

Bin schon gespannt, was du uns (vielleicht schon morgen?) hierüber berichten wirst.

Caesar hat gesagt…

Zum Solarkritiker siehe hier:

http://caesar-bochum.blogspot.de/2012/06/30062012-skh.html?showComment=1352807765770#c2276181431041224692

Ein Bericht wird folgen!

Caesar hat gesagt…

Da spricht Herr Kachelmann doch mit Recht sehr klare Worte:

"Um die Nibelungentreue ihrer Fernsehbeamten zu dokumentieren, hat die ARD über “Jauch” drei enge Springer-Freunde gegen meine Frau und mich in die Schlacht geworfen, um mich möglichst zu provozieren und irgendwie hinzubekommen, dass ich womöglich doch noch den berühmten Mannheimer Schalter umlege, den ich nun leider wirklich nicht habe.

Nach 18 Jahren des Arbeitens für die ARD hat es der Sender nicht einmal hinbekommen, sich in irgendeiner Form für den Menschen zu interessieren, der Opfer einer Falschbeschuldigung wurde. Über diesen Erfolg kann sich Frau Dinkel in der Tat ins Fäustchen lachen: die Bonsai-Quislinge aus der ersten Reihe haben ihre Falschbeschuldigung wunschgemäss umgesetzt – kein Besuch, kein Brief, keine Solidarität. Was Klatsch nicht alles schafft, Frau Dierks. Da werden sogar Menschen verletzt.

Diese Feigheit vor der Unschuld ist mitverantwortlich für meine heutige Situation. Manche Menschen denken: Welcher Arbeitgeber würde einen langjährigen Mitarbeiter fallenlassen, wenn da nichts dran wäre. Das ist zwar eine falsche Kombination, denn die Menschen kennen nicht wie ich die Voraussetzungen, die man haben muss, um in der ARD nach ganz oben zu kommen: Feigheit, Mittelmässigkeit, Verschlagenheit und eine sabbernde Lust, auch irgendwie zu den Grossen dazuzugehören, können nicht schaden – das heutige Programm der Mut- und Lustlosigkeit ist ein treues Abbild. Damit zusammenwächst, was zusammengehört, sind Bild und Bunte dabei, wenn Jauch einen Weinberg hat, Pilawa in Afrika ist und Hofer einen Käfer hat.

Deswegen muss ich es als Demütigung empfinden, wenn ich nun zu irgendwelchen Motto-Talkshows eingeladen werde. Wahrscheinlich soll ich als nächstes noch Schweizer Kandidat für “Einer wird gewinnen” sein. Wenn Ihre Chefs wenigstens die Herzensbildung eines abgetauten Kühlschranks hätten, wüssten sie, was sie mit mir gemacht haben und sie hätten wenigstens die Gnade, mich in Ruhe zu lassen. Bis ans Ende aller Tage. Ich will von der ARD und ihren angeschlossenen Seifensendern nichts mehr hören, nie mehr.

Vielleicht war das auch für Ihre Chefs ein bisschen lange und unverständlich. Um sicherzugehen, dass ich verstanden werde, möchte ich noch kurz zusammenfassen. Ich nehme Sie, Frau Dierks, ausdrücklich aus, die Sie mir eine freundliche Email geschrieben haben. Für Ihre Chefs möchte ich leicht abgewandelt eine amerikanische Diplomatin zitieren: Fuck the ARD.

Herzlich"

http://wetterkachelmann.wordpress.com/2014/02/13/hurra-eine-einladung-in-die-ard-und-doch-eine-absage/

diegones hat gesagt…

Nach einem erstklassigen sauberen Freispruch: Danke, Herr Kachelmann, dass sie uns das Wetter in der Justiz so schön erklärt haben. Das Wetter zieht weiter. Z.Zt ist eine Wolke über Alicce S., eine andere über Edathy. Wolf usw...Stets frage ich mich, woher die "Medien" Details haben, die sie nicht wissen können. Orakel? Zauberer mit Hut und Kaninchen?

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