Sonntag, 11. Januar 2015

Besuch von Toto, aber ohne Harry

Dieser bekannte Bochumer Polizist hatte heute morgen
einen Einsatz in dem Haus, ich dem ich wohne.

Heute morgen wurde ich durch einen gewaltigen Radau geweckt. „Nicht einmal am Sonntag kann man hier ausschlafen!“, dachte ich noch spontan. Zuerst hörte ich nur mehrere laute Stimmen aus dem Hausflur vor meiner Wohnung. Dann klingelte und klopfte jemand an meiner Tür. Da ich aber niemanden erwartete und noch sehr müde im Bett lag, hatte ich keine Lust, aufzumachen. Ich dachte, wer immer das ist, die werden sich schon wieder einkriegen. Doch der Radau hörte nicht auf. Und es waren viele Stimmen. Dann hörte ich auch noch Geräusche, die so klangen, als würde jemand Werkzeug zum Einsatz bringen. Das war so deutlich zu hören, dass es direkt vor meiner Tür sein musste. Da kamen mir nun doch gewisse Bedenken.

Wegen mir konnte es doch nicht sein – oder doch? Als Justizkritiker lebt man schließlich gefährlich in diesem Land. Oder sollte mir eine gewisse Eva-Maria Z. mal wieder einmal einen „Streich“ gespielt haben, und das ist jetzt das Ergebnis? Möglich ist alles! Wundern wird mich jedenfalls nichts mehr. Weil ich nicht wollte, dass meine Wohnungstür aufgeschraubt oder aufgebrochen wird (wie gesagt: möglich ist alles, und bei einem anderen Nachbarn hier ist das schon passiert!), stand ich schließlich doch auf und ging zur Tür, um nachzusehen. Zuerst sah ich durch den Spion und sah viele Menschen in dem engen Hausflur stehen. Ein Mann mit Helm bückte sich direkt vor meiner Tür.

Das langte jetzt. Obwohl ich noch im Schlafanzug war, öffnete ich jetzt die Tür. Jetzt sah ich erstmal alles richtig: Im Flur standen zwei Polizisten, zwei Rettungssanitäter und mindestens vier Feuerwehrleute. Ein Feuerwehrmann hatte direkt vor meiner Tür einen großen Werkzeugkoffer aufgebaut und kramte darin herum. Ich fragte nun, was los sei.

Der einsatzleitende Polizist erklärte mir daraufhin, dass sie sich Sorgen um meine Nachbarin machen und nun versuchen, in ihre Wohnung zu gelangen. Da war ich erst einmal erleichtert. Zwei Feuerwehrleute waren gerade dabei, die Wohnungstür der Nachbarin zu öffnen. Der Polizist fragte, ob ich die Nachbarin gesehen hätte, was ich verneinte. Ich hatte sie schon länger nicht gesehen, in diesem Jahr jedenfalls noch gar nicht. Da erkannte ich auch den einsatzleitenden Polizist: Es war der Toto, bekannt aus „Toto & Harry“. Harry war aber nicht dabei, sondern ein anderer Kollege.

Dann hatten sie die Wohnungstür geöffnet und die Polizisten und Sanitäter gingen hinein. Da war man schon auf alles gefasst. Doch wenige Momente später konnten sie Entwarnung geben: Die Nachbarin ist am Leben und wohlauf. Doch warum hatte sie nicht aufgemacht, nachdem die Leute ewig bei ihr geklingelt und geklopft hatten? Dazu muss ich sagen, dass mir diese Nachbarin schon seit längerer Zeit höchst sonderbar vorkommt. Es gab aber weder für die Polizei noch für den Rettungsdienst einen Anlass, die Nachbarin mitzunehmen. Also, was war dann los? Was war mit ihr?

Ein paar Minuten später bekam ich die Antwort darauf, als ich auf meinem Balkon stand und mitbekam, wie Toto sich unten vor dem Haus mit den Sanitätern über diesen Einsatz unterhielt. Deutlich hörte ich von Toto den Satz: „Die hat sich reingesoffen.“ – Aha. Und wo rein hat sie sich gesoffen? Ins Koma? Das würde erklären, warum sie die ganze Zeit über die Tür nicht geöffnet hatte. Offensichtlich hat diese Nachbarin ein beträchtliches Alkoholproblem, was vielleicht auch die Erklärung für ihr absonderliches Verhalten in den letzten zwei Jahren sein könnte.

2013 hat sie immer wieder Klingelmännchen bzw. Klopfmännchen gespielt, sogar nachts. 2014 hat sie an mehreren Tagen tagsüber immer wieder die Haustür abgeschlossen, und als ich sie einmal dabei sah, war der Wahnsinn in ihrem Gesicht sofort zu erkennen. Bisher dachte ich, sie leide an einer immer weiter fortschreitenden geistigen Krankheit wie Neurose oder Demenz. Doch heute ist offensichtlich geworden, dass sie wohl eher an einer Alkoholpsychose leidet, und zwar an einer sehr beträchtlichen. Vermutlich sind Teile ihres Gehirns durch den Alkohol schon zu stark und irreparabel geschädigt.

Der heutige dramatische Einsatz mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst ist der vorläufige Höhepunkt der Alkoholpsychose dieser armen Frau. Die anderen Mieter in diesem Haus haben den Einsatz natürlich auch alle mitbekommen. Auch die Vermieterin kam später noch vorbei, um sich ein Bild der Situation zu machen. Wer weiß, wie das mit ihr weitergeht. Ich fürchte, für diese Nachbarin ist es schon zu spät, um noch die Kurve zu bekommen. Es ist schon sehr bedauerlich, wenn ein Mensch so endet.

Ich frage mich jetzt nur, ob sich ein derartiger Einsatz auch schon mal in der Bischof-Ketteler-Straße in Bad Driburg abgespielt hat. Wundern würde es mich jedenfalls nicht.

*****

1 Kommentar:

Niederrheiner hat gesagt…

Bischof-Ketteler Str? Nach dem Bericht dachte ich, es hätte einen Umzug von Bad Dingsbums nach Bochum gegeben, und die dicke Schnapsdrossel hieß Eva-Maria.

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