Dienstag, 14. April 2015

Die deutsche Unterwerfungspresse

Immer wieder kommt es vor, dass Journalisten nicht wahrheitsgemäß und objektiv berichten, wie sie es eigentlich tun sollten, sondern einseitig; und zwar meist einseitig zu Gunsten von Polizei, Justiz und anderen Behörden. Das ist besonders bei den Redaktionen von kleineren, weniger bekannten Zeitungen zu beobachten, die meist nur die Reichweite einer Stadt oder eines Landkreises haben (sog. „Provinz-Blätter“). Diese wollen es sich mit der Obrigkeit, von der sie die Informationen meist bekommen, nicht verderben und übernehmen und publizieren diese Informationen ungeprüft. Kritische Berichte, bei denen es gegen irgendeine Behörde, Polizei und Justiz geht, kommen dort fast nie vor – dafür aber Berichte, in denen einfache Bürger schlecht wegkommen, gegen die dann regelrecht gehetzt wird (z.B. hier: [1], [2], [3]).

Der Begriff „Lügenpresse“ wurde durch die Pegida geprägt.
Der Begriff „Unterwerfungspresse“, um den es hier geht, beinhaltet aber weitaus mehr als die Thematiken, mit denen sich die Pegida befasst, und stellt ein Grundsatzproblem dar.

Vor ein paar Tagen wurde ich auf Facebook wegen dieses Begriffes von einem Journalisten ziemlich unverschämt angepöbelt, darum noch einige Worte zur Klarstellung:

Der Begriff „Unterwerfungspresse“ stammt nicht vor mir. Auch wenn ich zur Zeit bei Google an erster Stelle genannt werde – welche Ehre!, – wenn man den Begriff „Unterwerfungspresse“ eingibt, so habe ich diesen Begriff nicht geprägt. Andere haben den Begriff schon lange vor mir verwendet, was man sofort sieht, wenn man bei Google weiter scrollt. Was damit gemeint ist, ist die einfache Tatsache, dass viele Journalisten die Behauptungen von Behörden oft ungeprüft übernehmen und einseitig zu Gunsten der Behörden und zu Lasten der betroffenen Bürger berichten. Viele Journalisten sind nämlich schlicht und ergreifend zu feige, die Behörden und ihre Behauptungen kritisch zu hinterfragen und sich mit diesen anzulegen. Sie haben Angst, Scherereien mit Staatsanwaltschaften, Gerichten oder anderen staatlichen Stellen zu bekommen, denn diese sind im Ergebnis mächtiger. Aber ist Feigheit nicht auch eine Form von Unterwerfung? Ist es nicht so, dass man sich einem scheinbar Mächtigeren unterwirft, indem man es nicht wagt, gegen ihn aufzubegehren oder ihn auch nur zu kritisieren?

Ich meine, dass man – gerade als Journalist – auch mal kritisch nachhaken und nicht alles einseitig und ungeprüft übernehmen sollte. Eine einseitige Berichterstattung im Sinne (oder gar im Auftrage!) der Behörden ist kein ordentlicher Journalismus. Um jedes Missverständis auszuschließen: Ich behaupte hier nicht, dass alle Journalisten so handeln. Aber viele tun das eben.

Beispiele:

1.) Bei Berichten über Demonstrationen wird in der Presse oft nur von gewalttätigen Demonstranten berichtet. Von Polizeigewalt aber, die bei Demonstrationen viel häufiger und regelmäßiger vorkommt, bei der gefährliche Waffen (Schlagstöcke, Wasserwerfer, Reizgas, bissige Hunde) gegen friedliche Menschen eingesetzt werden und bei der die Anzahl und die Schwere der Verletzten erheblich ist, wird kaum etwas gesagt. Und wenn, dann nur in der Form, dass die Demonstranten („linke Chaoten“) selber Schuld seien.

2.) Als das Haus des Solarkritikers am 13.11.2012 zwangsgeräumt wurde, knallte die Recklinghäuser Zeitung einen Artikel darüber hin, der an Bösartigkeit und Perfidie so ziemlich alles übertrifft. Dieser Artikel ist nichts als Hetze gegen den Solarkritiker. Er wird darin als geistesverwirrter Querulant dargestellt, der es nicht anders verdient hätte. Und dann behauptet die Recklinghäuser Zeitung auch noch, dass die Vorwürfe des Solarkritikers, die er stets gut begründet und belegt hat, falsch seien. Wie kommt dieser Journalist, Thomas Fiekens von der Recklinghäuser Zeitung, eigentlich dazu, öffentlich zu behaupten, dass die Vorwürfe des Solarkrikers falsch seien? Ganz einfach: Weil die Polizei, die Staatsanwaltschaften und Gerichte wahrscheinlich gesagt haben, dass sie falsch seien. Und was Polizei und Justiz sagen, ist natürlich grundsätzlich wahr („Die Polizei lügt nicht!“). Das darf so ein kleiner Journalist eines kleinen Provinzblattes wie der Recklinghäuser Zeitung natürlich nicht in Frage stellen, denn das könnte ja eventuell Unannehmlichkeiten bringen. Stattdessen schreibt man lieber einen deftigen Hetzartikel gegen einen unliebsamen Querulanten, der schon lange nervt.


Noch am gleichen Tag erschienen unter diesem Hetzartikel mehrere Kommentare von Lesern, die die Recklinghäuser Zeitung wegen ihrer einseitigen und hetzerischen Berichterstattung kritisierten und ihre Meinung sagten. Das gefiel der Recklinghäuser Zeitung natürlich ganz und gar nicht. Darum wurden alle Kommentare gelöscht und die Kommentarfunktion für diesen Artikel gänzlich deaktiviert. Das heißt: Unwahrheit und Hetze sollten mit aller Gewalt aufrecht erhalten werden, und jede Art von Gegenstimme oder Kritik wird unterdrückt, gelöscht und mundtot gemacht. Tolle Leistung! Und solche Typen schimpfen sich „Journalisten“.

Ein paar Tage später rief ich selbst bei der Recklinghäuser Zeitung an, um mich über dieses Vorgehen zu beschweren. Ich hatte auch den Chefredakteur am Apparat. Doch als ich sagte, dass es um den Solarkritiker ginge, beendete er das Gespräch sofort. Er sagte: „Es gibt keine Veranlassung mehr, über diesen Fall zu diskutieren! Guten Tag!“ – Zack, Aufgelegt!
Deutlicher geht es wohl nicht mehr.

3.) Auch im Fall Antonya Schandorff hat ein Teil der Presse, namentlich der Weser-Kurier, sehr einseitig zu Gunsten der Behörden und zu Ungunsten der Familie Schandorff berichtet (hier). Das war mir gleich am ersten Tag, an dem ich von diesem Fall Kenntnis erlangte, aufgefallen. Darum habe ich auch gleich in meinem ersten Artikel über diesen Fall ein paar passende Worte dazu sagen müssen. Auch ein zweiter Bericht des Weser-Kuriers war kaum besser. Das Verhalten des Weser-Kuriers ist um so verwerflicher, da es hier gegen ein Kind geht, auf dessen Rücken diese Auseinandersetzungen ausgetragen werden. Was diesem Kind angetan wurde (Entführung, Freiheitsberaubung, etc.), wird hier – im Auftrag des Jugendamtes – vom Weser-Kurier beschönigt und als rechtens hingestellt, während gegen die Eltern von Antonya maximal Stimmung gemacht wird. Es ist reine Hetze, die mit seriösem Journalismus nichts mehr zu tun hat. Denn ein seriöser Journalist hört zumindest beide Seiten an, bevor er etwas schreibt. Das hat Herr Lutz Rode vom Weser-Kurier aber gerade nicht getan.

Nun hat Antonya auf ihrer Facebook-Seite diesem Lutz Rode mal die Meinung gesagt (hier klicken), wofür sie meine höchste Hochachtung hat:

Offener Brief an Lutz Rode vom
Weser Kurier
von Antonya Schandorff

Hallo Herr Rode,

ich bin Antonya Schandorff und habe mal ein paar Fragen an Sie.
Sie haben mehrere Artikel über mich und meine Eltern geschrieben.
Leider viel negatives, obwohl Sie mich persönlich gar nicht kennen.
Aber Sie haben meinen Vater persönlich kennengelernt !!!
Er war damals mehrfach bei Ihnen und hatte Sie um Hilfe gebeten.
Damals haben Sie uns abgelehnt, mit der Begründung, Sie könnten nicht einseitig berichten.
Ich frage mich nur, wieso ging das, als Sie vom Jugendamt den Auftrag bekamen, für das Jugendamt zu schreiben, nachdem ich an die Medien getreten bin ???
Warum haben Sie nicht zumindest zu dem Zeitpunkt daran gedacht, dass eine einseitige Berichterstattung hier auch nicht zu vertreten ist ???
Mein Vater hat Ihnen damals 2013 unsere Unterlagen vorgelegt, wir waren offen und hatten nichts zu verbergen ...
Sie haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, in diese Unterlagen auch nur kurz reinzuschauen, geschweige denn, sich etwas einzulesen ...
denn ansonsten hätten Sie SOFORT festgestellt, dass hier etwas verdammt schief läuft ....
und das auf meinem Rücken .... AUF DEM RÜCKEN EINES KINDES !!!!
Ich war damals 12 Jahre, wo ich aus dem Gymnasium, aus dem laufenden Unterricht, von Richterin Z. aus OHZ und dem Jugendamt OHZ, unter Vortäuschung falscher Tatsachen, entführt wurde !!!
Ich wurde mit Gewalt ins Auto, in ein Heim deportiert. Ja, ich schreibe absichtlich deportiert, denn mit den Judenkindern wurde es damals genauso gemacht und heute wieder ....
Keiner wollte mir oder meinen Eltern helfen !!!!
Sie sind im Jugendhilfeausschuss gewesen, wäre das nicht Ihre Aufgabe gewesen ???
Anstatt die Augen zu verschliessen ???
Wissen Sie eigentlich, Herr Rode, wie ungerecht und menschenverachtend mit mir umgegangen wurde? ??
Nicht nur, das mir das Jugendamt Osterholz- Scharmbeck, Frau H. und Frau W.und besonders Herr G. verboten haben, zum 97 Geburtstag meiner geliebten Oma zu gehen.
Nein, auch zu ihrer Beerdigung, 3 Monate später durfte ich nicht !!!
Wissen Sie, was es für einen jungen Menschen bedeutet, sich von einem geliebten Menschen nicht verabschieden zu dürfen ???
Haben Sie selber Kinder, Herr Rode ???
Wenn Ihren Kindern so etwas passieren würde, wie würden Sie sich fühlen ???
Ich habe damals den Bürgermeister aus Worpswede, Herrn Schwenke angeschrieben.
Auch meine Oma, in ihrem hohen Alter, hat sich an Herrn Schwenke gewandt.
Nichts ist passiert, alle haben weggeschaut !!!
Ich bin mit 12 Jahren wie eine Schwerverbrecherin behandelt worden ...
Jeder Mörder im Gefängnis hat mehr Rechte gehabt, wie ich damals ...

Von meinem Martyrium im Heim, möchte ich hier erst gar nicht anfangen ...

Herr Rode, Sie haben damals 2013 mitbekommen, wie ich nach Polen geflüchtet bin ....
warum haben Sie sich nicht da mal mit mir / uns in Verbindung gesetzt ???
Das Jugendamt hatte unsere Daten, sowohl die Telefonnummer von meinem Vater, wie auch die E-Mail-Adressen.
Nein, es war wohl einfacher und wichtiger und wahrscheinlich auch gerechter (?), weiter einseitig zu berichten ....
Stellt sich nur die Frage – für wen???
Ich dachte immer, Reporter müssen neutral berichten und schreiben.
Aber Sie machen da vielleicht ja die berühmte Ausnahme ....
An Möglichkeiten hat es Ihnen jedenfalls nicht gefehlt.

Ich möchte Sie in diesem Brief nicht angreifen, Herr Rode.
Obwohl Sie das in Ihren Artikeln getan haben ....
Ich möchte nur verstehen, was einen Menschen dazu bewegt, so ungerecht und menschenverachtend über ein Kind zu berichten .....
Jedenfalls sollten Sie inzwischen verstehen, dass mir meine Kindheit zerstört wurde und das nicht nur von Richterin Z. aus OHZ sondern auch vom Jugendamt OHZ.
Denn auch heute leide ich noch an Alpträumen dank dieser „Menschen“ .....

Es wäre schön, wenn Sie diesmal den Mut hätten ehrlich zu sein und mir zu antworten ....

Antonya Schandorff

Dem ist doch nichts hinzuzufügen, oder? So einen Mut, jemandem so die Meinung zu sagen, hatte ich mit 14 Jahren nicht. Aber ich habe auch nicht so schlimme Erfahrungen machen müssen wie Antonya. Viele Kinder gehen an so etwas kaputt. Andere wiederum lernen zu kämpfen. Und Antonya hat es gelernt. Sie ist eine Kämpferin, und dafür bewundere ich sie.

Wie gesagt, ist einseitig Berichterstattung und Hetze gegen die andere Seite bei vielen Journalisten üblich. Aber, und das möchte ich betonen: Es ist nicht bei allen so. Es gibt noch Hoffnung. Es gibt – zum Glück – noch einige seriöse Journalisten in diesem Land, auch bei bekannten Nachrichtenmagazinen, die auch das Verhalten von Behörden, Polizei und Justiz oft kritisch beleuchten und hin und wieder auch mal heiße Eisen anfassen. Das sind zum Beispiel Michael Naumann, Ralph Giordano, Gisela Friedrichsen oder Sabine Rückert. Naumann und Giordano haben oft unangenehme Wahrheiten gesagt und dafür Ärger mit Politikern und Juristen bekommen, haben sich davon aber nicht einschüchtern lassen und sind bei ihrer klaren Linie geblieben. Gisela Friedrichsen ist inzwischen bei Richtern und Staatsanwälten gefürchtet, und Sabine Rückert hat tatsächlich schonmal einen Justizskandal erheblichen Ausmaßes aufgedeckt, über den es inzwischen auch ein Buch gibt. Diese Personen haben ebenfalls meine Hochachtung. Nicht unerwähnt bleiben sollte in diesem Zusammenhang auch Günter Wallraff, der schon seit Jahrzehnten für seinen Aufdeckungs- und Enthüllungsjournalismus berühmt ist und dabei wahrhaftig heiße Eisen angefasst hat. Auch er hat meine Hochachtung. Erst im letzten Jahr erhielten er uns sein Team den deutschen Fernsehpreis (wo ich sogar dabei war!).

Warum können nicht alle Journalisten so sein?
Nehmt Euch mal an diesem Mann ein Beispiel!

Wie gesagt, es gibt solche und solche. Es wäre aber schön, wenn sich Lutz Rode oder andere Journalisten von kleineren Blättern mal an Herrn Wallraff, Frau Rückert, Frau Friedrichsen und anderen ein Beispiel nehmen und sich mehr trauen würden – ohne Angst vor Konsequenzen. Helden sind heute selten. Es müsste mehr von ihnen geben. Denn wenn es sie gäbe, oder wenn jeder Journalist zumindest neutral, objektiv und unvoreingenommen berichten würde, und nicht einseitig und obrigkeitstreu, dann könnte man sicher nicht (mehr) von einer „Unterwerfungspresse“ reden. Bei der derzeitigen Realität in diesem Land und angesichts der Tatsache, dass selbst ein 14-jähriges Mädchen mehr Mut hat als so mancher Journalist, ist dieser Begriff sicher noch lange gerechtfertigt. 

***** 

1 Kommentar:

Frank aus Holland (aus D. ausgewandert) hat gesagt…

Den Fall des Kritikers von Solar war mir gar nicht bekannt. Ich habe mal ein wenig gegoogelt und bin auf seinen Blog gestossen. Dem Mann hat man ja wirklich übel mitgespielt. Psycho-Nummer, Geheimakte. Wahnsinn, was diese Staat mit diesem Mann gemacht hat. Und die Presse hat zugeschaut. Und alles wegen einer angeblich gute Sache. Und wie sagte doch Hanns Joachim Friedrichs damals: "Kein Journalist darf sich mit einer Sache gemein machen, auch wenn es angeblich eine gute Sache ist." Die Journalisten haben sich mit Solar gemein gemacht und zugesehen, wie der Mann kaputt gemacht worden ist.

Mir fehlen die Worte

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